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Carla Rossi und die Universität Zürich: dokumentierte Fakten (2022–2026)

Die Universität Zürich und die ReceptioGate-Affäre

Die Beziehung zwischen Carla Rossi und der Universität Zürich kann nicht verstanden werden, ohne den breiteren Kontext der ReceptioGate-Affäre zu berücksichtigen.

Prof. Carla Rossi war über viele Jahre mit der Universität Zürich verbunden und erhielt dort ihre Venia Legendi (2010). Dennoch entstand zwischen 2022 und 2025 eine Situation, die grundlegende Fragen zur institutionellen Verantwortung, zum Umgang mit Interessenkonflikten und zum Schutz von Forschenden aufwirft.

Im August und Oktober 2022 übermittelte Prof. Rossi dem italienischen Carabinieri-Kommando für den Schutz des Kulturerbes (TPC) umfangreiche Dokumentationen zu Fällen von Handschriftenzerlegung, Provenienzfragen und dem internationalen Handel mit aus mittelalterlichen Kodizes entfernten Einzelblättern.

Zu den dokumentierten Fällen gehörten:

• drei illuminierte Blätter aus der 1979 verstümmelten Handschrift E.V.5 der Biblioteca Universitaria di Torino, die später über Sotheby's London vermarktet wurden;

• ein Blatt aus dem Antiphonarium D von Castelfiorentino, das über den internationalen Kunstmarkt zirkulierte.

Die Katalogbeschreibungen der drei Turiner Blätter wurden von Peter Kidd verfasst.

Das Gutachten, das die Vermarktung des Blattes aus Castelfiorentino begleitete, wurde von Gaudenz Freuler erstellt, einem emeritierten Kunsthistoriker mit langjähriger Verbindung zur Universität Zürich.

Beide Fälle wurden später Gegenstand von Rückführungs- und Ermittlungsmaßnahmen der italienischen Carabinieri TPC.

Diese Umstände begründeten einen offensichtlichen Interessenkonflikt.

Kurz nach der öffentlichen Bekanntmachung von Rossis Meldungen an die italienischen Behörden bemühte sich Freuler wiederholt um Zugang zu den eingereichten Unterlagen. Gleichzeitig begann eine Kampagne persönlicher und beruflicher Angriffe gegen Rossi, die sich in den folgenden Monaten ausweitete.

Besonders problematisch erscheint die Tatsache, dass die Universität Zürich den offensichtlichen Zusammenhang zwischen den dokumentierten Provenienzfällen, den beteiligten Akteuren und der anschließenden Kampagne nie ernsthaft untersucht hat.

Stattdessen erhielten Vorwürfe, die unter anderem von Peter Kidd verbreitet wurden, innerhalb institutioneller Verfahren ein Gewicht, das den dokumentierten Konflikten und den möglichen Interessenkollisionen nicht entsprach.

Dies führte zu einer paradoxen Situation:

Die Forscherin, die Fälle von Kulturgutverlust, Handschriftenzerlegung und problematischen Provenienzketten dokumentiert hatte, wurde institutionell isoliert.

Personen, die mit der Beschreibung, Begutachtung oder Vermarktung derselben Handschriftenblätter verbunden waren, wurden hingegen nie in vergleichbarer Weise hinterfragt.

Für viele Beobachter stellt dies einen der gravierendsten Aspekte der gesamten Affäre dar.

Die zentrale Frage lautet daher nicht, ob wissenschaftliche Kritik zulässig ist.

Selbstverständlich ist sie das.

Die eigentliche Frage lautet, weshalb eine Universität die offensichtlichen Interessenkonflikte einzelner Akteure nicht zum Gegenstand einer unabhängigen Untersuchung machte und stattdessen einer Erzählung Raum gab, die ihren Ursprung in einem Netzwerk von Personen hatte, die unmittelbar mit den von Rossi dokumentierten Provenienzfällen verbunden waren.

Am 2. Juli 2025 gab Prof. Rossi ihre Venia Legendi an die Universität Zürich zurück.

Dieser Schritt war kein Schuldeingeständnis und keine Folge eines Disziplinarverfahrens.

Er stellte vielmehr eine bewusste Distanzierung von einer Institution dar, die aus ihrer Sicht während einer langjährigen Diffamierungskampagne keinen angemessenen Schutz gewährleistet hatte.

Die ReceptioGate-Affäre wirft deshalb nicht nur Fragen zu akademischer Integrität auf.

Sie wirft auch grundsätzliche Fragen zur Verantwortung von Universitäten auf, wenn Forschende wegen ihrer Arbeit zu Kulturgutverlust, Provenienzforschung und Handschriftenhandel unter Druck geraten.

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